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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2010 Aktuelle Analyse zur Wirtschaftslage im österreichischen Mittelstand

Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich, Frühjahr 2010

Konjunkturlage erholt sich - Risiken bleiben

Wien, 04.05.2010

Nach dem massiven Wachstumseinbruch im vergangenen Jahr beginnt sich die Wirtschaftskraft im Mittelstand wieder zu erholen. Bewertete im vergangenen Jahr nur jeder dritte Mittelständler seine Geschäftslage mit „gut“ oder „sehr gut“, erreicht dieser Anteil im Frühjahr 2010 wieder 41,2 Prozent – binnen Jahresfrist eine Verbesserung um 7,6 Prozentpunkte. Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bezeichnen, von 19,1 auf 15,3 Prozent um 3,8 Zähler verringert. Damit verbessert sich der Saldo aus positiven und negativen Meldungen zur Geschäftslage auf 25,9 Prozentpunkte (Vorjahr: 14,5 Punkte).

Am freundlichsten wird die Geschäftslage im Handel eingeschätzt: 44,7 Prozent (Vorjahr: 35,4 Prozent) der Unternehmen sprechen von einer „guten“ und 12,4 Prozent (Vorjahr: 17,3 Prozent) von einer „schlechten“ Geschäftsentwicklung. Im Verarbeitenden Gewerbe fällt der Saldo aus positiven und negativen Geschäftslageeinschätzungen mit plus 15,8 Prozentpunkten unter allen Wirtschaftsbereichen am niedrigsten aus.

Aufträge und Umsätze auf Erholungskurs

Die Auftragsbücher im Mittelstand beginnen sich wieder zu füllen. Bei 27,2 Prozent der befragten Unternehmen sind die Auftragseingänge im vergangenen halben Jahr gestiegen. Im Vorjahr war dies nur bei jedem Zehnten der Fall. Zudem sind im Frühjahr 2010 weniger Unternehmen von gesunkenen Auftragseingängen betroffen (26,8 Prozent). 2009 verzeichnete noch jeder Zweite Auftragsrückgänge (53,9 Prozent).

Das Auftragsplus spiegelt sich auch in der Umsatzentwicklung des Mittelstands wider. Berichtete im vergangenen Jahr noch jedes zweite Unternehmen von einer rückläufigen Umsatzentwicklung, ist davon im Frühjahr 2010 nur noch jedes dritte Unternehmen (33,2 Prozent; Vorjahr: 51,2 Prozent) betroffen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unternehmen, die gestiegene Umsätze verzeichneten, von 13,9 auf 26,9 Prozent erhöht.

Beschäftigungsabbau hält an

Der Beschäftigungssaldo bleibt mit minus 10,7 Prozentpunkten im negativen Bereich (Vorjahr: minus 22,5 Prozentpunkte). Nur 14,6 Prozent der befragten Unternehmen waren im vergangenen halben Jahr bereit, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Im Vergleich zum Vorjahr (12,1 Prozent) stellt dies aber eine Verbesserung um 2,5 Prozentpunkte dar. Jeder vierte Mittelständler (25,3 Prozent) hat seinen Personalbestand verkleinert – 2009 war es jeder dritte (34,6 Prozent).

Optimismus macht sich breit

Nicht nur die aktuelle konjunkturelle Lage im Mittelstand zeigt sich erholt, auch die Zukunftsaussichten sind optimistischer als noch vor einem Jahr. Jeder dritte Mittelständler (32,5 Prozent) erwartet in den kommenden sechs Monaten zunehmende Umsätze in seinem Betrieb (32,5 Prozent). 2009 war dies nur bei jedem Achten (12,1 Prozent) der Fall. Nur noch 17,1 Prozent der Befragten erwarten sinkende Umsätze. Im Vergleich zum Vorjahr (44,0 Prozent) sind das rund 27 Prozentpunkte weniger. Die positive Erwartungshaltung zieht sich durch alle Wirtschaftsbereiche: Am optimistischsten geben sich die Unternehmen im Handel (Saldo der Umsatzerwartungen: plus 23,8 Prozentpunkte), während das Baugewerbe am pessimistischsten ist (Saldo: minus 4,6 Prozentpunkte).

Auch die Personalplanungen im Mittelstand sind wieder positiv. 16,1 Prozent der Befragten möchten in den kommenden sechs Monaten zusätzliches Personal einstellen (Vorjahr: 8,8 Prozent). Ihren Personalbestand verkleinern werden nur noch 12,2 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 32,2 Prozent). Der sich daraus ergebende positive Saldo von plus 3,9 Prozentpunkten deutet in den kommenden Monaten einen leichten Beschäftigungsaufbau im Mittelstand an. Die verbesserten Aussichten spiegeln sich allerdings nicht in der Investitionsbereitschaft wider. Waren im Frühjahr 2009 noch 51,3 Prozent der Unternehmen zu Investitionen bereit, sinkt dieser Anteil in 2010 auf nur noch 45,6 Prozent.

Sorgenkind Unternehmensfinanzierung

Der Blick auf die Ertragslage wirkt ernüchternd: Zwar werden steigende Erträge im Vergleich zum vergangenen Jahr wieder häufiger genannt, allerdings ausgehend von den schlechten Ausgangswerten bewegen sich die aktuellen Angaben aber immer noch auf einem niedrigen Niveau. Nur bei 18,9 Prozent der befragten Unternehmen sind die Erträge im vergangenen halben Jahr gestiegen (Vorjahr: 10,5 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, die sinkende Gewinne beklagen, liegt mit 36,6 Prozent um fast 24 Zähler niedriger als im Vorjahr (60,2 Prozent). Allerdings gibt es Anlass zur Hoffnung: 23,2 Prozent der Mittelständler erwarten, dass ihre Erträge in den nächsten Monaten steigen werden (Vorjahr: 10,4 Prozent), und nur noch 28,4 Prozent rechnen mit sinkenden Gewinnen (Vorjahr: 57,8 Prozent).

Zur problematischen Ertragslage kommt das erschwerte Finanzierungsumfeld für die Unternehmen hinzu: Auf die Frage, ob die Unternehmensfinanzierung heute schwieriger geworden ist als vor einem Jahr, antwortet gut jeder Zweite mit „ja“ (56,3 Prozent). Als größte Verschärfung wird das Verlangen nach höheren Sicherheiten von 91,7 Prozent der Befragten genannt. Aber auch von einem Anstieg der Kreditzinsen berichten 26,5 Prozent der Betriebe. Bei 17,1 Prozent wurde der Kredit nicht in der gewünschten Höhe bewilligt, bei jedem Achten (12,6 Prozent) abschlägig beschieden.

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